Zosia Nachman
- geboren am 6.6.1925 in Lodz/Polen, geb. Branic,
- 12/ 1939 - 30.4.1940 Sterntragen,
- 30.4.1940 August 1944 Ghetto Lodz, Herstellung von Strohschuhen für Wehrmacht
- August 1944 Auschwitz, nach 10 Tagen
- Bergen-Belsen,
- 2.12.1944 - 16.4.1945 KZ Flossenbürg/Plauen/Mehltheuer, #59473., Produktion von Flugzeugteile (Datumsangabe im Akt: Mitte Oktober 1945- 16.4.1945)
- DP Feldafing,
- DP Landsberg
- 1947 IRO Lager Barletta,
- 1950 USA
Zosia Nachman war keine Klientin von Konrad Kittl, sie wurde aber von Tola Cudzynowski als Zeugin genannt. Frau Nachman gehörte zu einer Gruppe von Frauen, die das gleiche Verfolgungsschicksal teilten. Die von ihr genannte Zeuginnen waren mit ihr die gesamte Verfolgungszeit zusammen:
- Tragerman Genia; 14.4.1924 Lodz/Polen, geb Wolf, Verfolgungsverlauf: Ghetto Lodz, KZ Auschwitz, KZ Bergen-Belsen, 2.12.1944 KZ Flossenbürg/Mehltheuer #59444
- Stolzman, Malka; 15.6.1929 Lodz/Polen, geb Gala, Verfolgungsverlauf: Ghetto Lodz, KZ Auschwitz, KZ Bergen-Belsen, 2.12.1944 KZ Flossenbürg/Mehltheuer #59479
- Wylczinski, Zoia; 1925 Lodz/Polen, geb Agrowicz, Verfolgungsverlauf: Ghetto Lodz, KZ Auschwitz, KZ Bergen-Belsen, 2.12.1944 KZ Flossenbürg/Mehltheuer #59545
- Pesa Gutman; geb Sonnabend, verw. Nelken, 21.6.1913 Lodz/Polen, Verfolgungsverlauf: Ghetto Lodz, KZ Auschwitz, KZ Bergen-Belsen, 2.12.1944 KZ Flossenbürg/Mehltheuer #59600
Sie selbst bezeugte die Aussagen von Frau Tola Cudzynowski.
Das genaue Datum der Ankunft in Flossenbürg ebenso wie teilweise in den Akten fehlenden Häftlingsnummer entnahm ich dem Nummernbuch "Nummernbücher des Konzentrationslagers Flossenbürg, Buch 7, Frauen: Häftlingsnummer 50000 - 60000".
Kittl vertrat auch Felicija Hanfling, sie befand sich ebenfalls im Ghetto Lodz und kam ins Nebenlager Mehltheuer:
- Hanfling, Felicia Faiga; 9.6.1921 Chelm/Polen; geb Bienstock; 12/1940-11/1942 Ghetto Chelm , 11/1942-2/1943 Ghetto Warschau, 2/1943-11/1944? Lodz, KZ Auschwitz, -16.4.1945 KZ Flossenbürg/Mehltheuer, Bamberg, 1950 USA
Vor der Verfolgung
Ich war bis zur Verfolgungszeit vollkommen gesund und ohne jegliche körperliche oder nervliche Beschwerden. Ich war ein lebensfrohes, frisches gesundes Mädchen, als meine Verfolgungszeit begann.
Quelle: Eidesstattliche Erklärung (Haft) von 1955, Akte Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
wir waren 6 Kinder, ich war die viertälteste. Mein Eltern und meine 5 Geschwister sind während der Verfolgungszeit umgekommen.
Mein Vater erzeugte Bürsten, die zum Markt geführt und dort verkauft wurden. Auch belieferte mein Vater Einzelgeschäfte. Es arbeiteten außer meinen 2 Brüdern und meiner ältesten Schwester noch 2 Arbeiter in diesem Betrieb. Wir führten ein gutbürgerliches Haus.
Quelle: Eidesstattliche Erklärung (Gesundheit) von 1961, Akte Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
Ghetto Lodz
Schon im Ghetto begann ich unter heftigen Nasenbluten zu leiden. das fing schon im Jahre 1941 und ereignete sich 2 bis 3 mal wöchentlich, verbunden mit heftigen Kopfschmerzen und Schwindelgefühl. [Schilderungen weiterer Erkrankungen] Ich musste trotz meiner heftigen Magenschmerzen zur Arbeit gehen. Das Essen war sehr schlecht und gering. Ich musste trotz meines jugendlichen Alters 10 bis 12 Stunden täglich arbeiten. Im Jahre 1943 , als ich mit meinem Vater am Weg zur Arbeit in die Bürstenerzeugung war, kam ein SS Mann auf uns zu und wollte meinen Vater erschießen. Ich flehte den SS Mann an, meinen Vater zu verschonen.. Er schlug dann mit seinem Gewehr auf meinen Vater ein, besonders über den Kopf, was weiter geschehen ist, weiß ich nicht, denn ich bin bewusstlos hingefallen. Ich kann auch gar nicht sagen, ob ich nicht auch von dem SS Mann geschlagen wurde, denn ich war nicht bei Bewusstsein.
Ich weiß nur, dass mein Vater und ich von Mithäftlingen aufgeholfen wurden und zur Arbeit gebracht wurden.
Quelle: Eidesstattliche Erklärung von 1955, Akte Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
Weitere Einzelheiten zu diesem Vorfall kann ich nicht wiedergeben. Ich weiß aber , dass ich von dieser Zeit an von großer Angst und Nervosität befallen war und und in ständigem Schreck lebte. Meine Kopfschmerzen haben bis zum heutigen Tag angehalten. Mein Vater hat sich von den geschilderten Misshandlungen nicht erholen können und ist nach einigen Monaten im Lager gestorben. Dies war ein großer seelischer Schmerz für mich. Meine Mutter starb im Jahre 1943 im Ghetto, sie konnte den Kummer und die Ängste der Verfolgungszeit nicht mitmachen. Meine Geschwister wurden innerhalb von 2 Wochen bei "Aktionen" umgebracht. Ich blieb allein übrig und der seelische Schmerz alle meine Lieben durch die Nazis verloren zu haben wirkte furchtbar auf mich und versetzte mich in einen seelisch erschütterten Zustand. Ich hatte jede Lebenslust verloren und diese schrecklichen Ereignisse verfolgen mich noch heute in schweren Angstträumen.
Quelle: Eidesstattliche Erklärung von 1955, Akte Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
Laut Totenbuch starb ihr Vater, Eintrag Nummer 899, am 31.3. 1944, 17:00 an Lungentuberkulose.
Quelle: United States Holocaust Memorial Museum, "Book of Deaths", (ID: 37604).
Im Jahre 1944 wurde auch bei mir Pleuritis festgestellt von einem Dr. Fox in LODZ. Ich war trotz großer Kälte ganz ungenügend bekleidet, litt oft an Erkältungen und hatte hohes Fieber. Dieser Dr. Fox praktizierte im Hospital in Lodz und er riet mir an im Bett zu bleiben. Ich war auch 2 Monate bettlägrig. Dann habe ich mich wieder zur Arbeit gemeldet, da ich Angst hatte zu den Arbeitsunfähigen zu kommen, deren Schicksal uns allen wohl bekannt war. Ich arbeitete dann in einer Fabrik, die Strohschuhe für deutsche Soldaten erzeugten.
Ich begann auch unter Zahnschmerzen zu klagen und statt meine Zähne zu plombieren wurden mir die schlechten Zähne einfach gezogen. Das waren ungefähr 6 Zähne, 4 untere Backenzähne rechtes und links und 2 obere Backenzähne.
Quelle: Eidesstattliche Erklärung von 1955, Akte Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
Auschwitz, Bergen-Belsen, Mehltheuer
Als ich im Jahre 1944 nach Auschwitz kam war ich in elendem Gesundheitszustand, sowohl körperlich wie auch seelisch. Nach ungefähr 10 Tagen kam ich nach Bergen Belsen. Ich war dort in ambulatorischer Behandlung wegen meines Rückens, meiner Beine und meiner Kopfschmerzen. Trotzdem meldete ich mich zur Arbeit, als man Transporte der Arbeitsfähigen zusammenstellte. Ich kam mit ungefähr 200 Mädchen nach Plauen. Dort arbeitete ich in einer kleinen Privatfabrik es wurden Flugzeugteile dort erzeugt. Auch in diesem Lager litt ich unter Nasenbluten,fast täglich und ich musste oft von der Arbeit weggeschickt werden wegen dieser Nasenbluten. Ich stand mit gebücktem Kopf bei der Arbeit und meine Nase fing zu bluten an. Ich war dort auch in einem Hospital für einen Tag.
Nach der Befreiung
Wir waren 6 Kinder, ich war die viertälteste. Meine Eltern und meine 5 Geschwister sind während der Verfolgungszeit umgekommen.
Nach der Befreiung bin ich in Feldafing und Landsberg (Hotel Elisabeth Hospital) behandelt worden.
Zeugenaussagen
Pesa Gutman
Aussage um 1954:
Ich habe mit den beiden Antragstellerinnen [Anm.: Nachman/Tragerman] den gesamten Leidensweg zusammen mit gemacht, von Anfang bis Ende. Wir drei waren von Anfang des Ghettos an in Lodz gewesen. Wir alle drei haben dort Zwangsarbeit leisten müssen und hatten, wie alle anderen Juden dort, die jüdischen Kennzeichen tragen müssen. Wir haben die jüdischen Kennzeichen getragen, scon lange vor bevor das Ghetto eröffnet wurde und und zwar bereits vom herbst 1939 ab. Wir waren alle drei zusammen in Lodz bis zum Herbst 1944 und wurden dann alle nach Auschwitz abtransportiert. In Auschwitz waren wir nur kurze Zeit und kamen dann nach Bergen Belsen, wo wir ebenfalls nur kurze Zeit verblieben, einige Wochen.
Von Bergen Belsen sind wir nach Flossenbürg gekommen, wo ich die Nummer 59600 erhielt. Wir sind dort bis zu unserer Befreiung durch die US-Armee zusammen geblieben.
Quelle: Akte von Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München
Malka Gala
Aussage 1954:
Ich bin vom Frühjahr 1940 an im Ghetto in Lodz gewesen.
Ich bin im August 1944 über Auschwitz und Bergen Belsen, wo wir nur einige Monate blieben, nach dem Arbeitskommando Mehltheuer, im Vogtland bei Plauen gekommen.
Dort bin ich am 16.4.1945 durch die amerikanische Armee befreit worden.
Während dieser ganzen Zeit bin ich mit der Frau Zosia Nachman geborene Branitz, geboren am 6.6.1925 in Lodz zusammen gewesen.
Wir mögen in dieser Zeit kurz vorübergehend getrennt gewesen sein, ich kann aber mit gutenm Gewissen sagen, dass wir fast während der ganzen Zeit zusammen waren, insbesondere, dass wir am 16.4.1945 wie oben angegeben, befreit worden sind.
Quelle: Akte von Zosia Nachman, Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, München